Wintergäste in Meißendorf

Dieser Beitrag ergänzt diesen Artikel in der Celleschen Zeitung:

cellesche-zeitung-vom-12-01-2017

In jedem Jahr freue ich mich im Spätherbst auf die Ankunft der Singschwäne aus ihren nördlichen Brutgebieten:

DSC_7778.jpgIn der Nacht ruhen sie in der Sicherheit der Teiche am Hüttensee und sind an ihrem leuchtend gelben Schnabelbereich gut von den ganzjährig anwesenden Höckerschwänen zu unterscheiden:
DSC_1137.jpgMan hört von Weitem schon ihre Rufe mit denen sie ihren Zusammenhalt bestärken:

Die Rufe verstärken sich, bis sie schließlich laut patschend übers Wasser rennen um aufzufliegen:
DSC_1198.jpg
Dann drehen sie eine Runde überm Gebiet und fliegen zu den umliegenden Feldern um Nahrung zu suchen:
DSC_0981.jpgManchmal reihen sich auch Zwergschwäne in  die fliegenden Trupps ein:
DSC_1660.jpgIn langen Reihen verbringen sie vorwiegend auf Maisstoppe-Feldern friedlich die Tage:
_1200484.jpgHier zwei Zwergschwäne zusammen mit 3 Singschwänen. Zwergschwäne sind etwas zarter gebaut und haben einen kleineren gelben Schnabelbereich:
DSC_0916.jpgAuch Tundrasaatgänse sind manchmal bei diesen Trupps:
DSC_1494.jpgGänsesäger, die Fische jagen, sind weitere Wintergäste in Meißendorf:
DSC_1054.jpgWenn sie ihre Jagdgebiete wechseln sieht man sie manchmal rasant überfliegen:DSC_1273.jpgDie Rohrdommel ist ein seltener Gast und war in diesem Jahr für kurze Zeit im Gebiet.
DSC_0745.jpg
Sie wurde vorher einige Jahre lang nicht mehr in Meißendorf als Brutvogel beobachtet oder mit ihrem markanten Ruf gehört, der wie ein Nebelhorn tönt. Vielleicht ändert sich das in diesem Jahr!

Eine ungewöhnliche Jagd

Neulich war ich auf der ziemlich diesigen Heide ganz in der Nähe und hab nachgeschaut, ob ich den Raubwürger finde, der bisher im Winter immer hier war.
P1190304.jpg
Einen Raubwürger hab ich nicht gefunden, aber einen Trupp Fichtenkreuzschnäbel konnte ich hören…

und habe schließlich auch einen von Weitem gesehen:
DSC_1515.jpg
Ein paar Tage später hab ich sogar einen im Flug fotografieren können:
DSC_1533.jpg
Aber ich war auf der Suche nach dem Raubwürger und ging eine ganze Weile durchs Gebiet.
Plötzlich tauchten hinter einer Kiefer zwei rasant fliegende Vögel auf. Mit freiem Auge konnte ich sie nicht so schnell bestimmen, aber durchs Fernglas hab ich gesehen, dass einer ein Greifvogel war:
DSC_1503.jpg
Den anderen hab ich beim Fotografieren für eine Taube gehalten. Erst als ich mir die Fotos angeschaut habe, konnte ich erkennen, dass hier ein Habicht-Weibchen, größer als ein Männchen, auf der hin- und hergehenden Jagd nach einer Waldschnepfe war.
dsc_1514
Der Habicht attackierte sie immer wieder und hatte ihr offensichtlich bereits einige Armschwingen ausgerissen:
dsc_1505
Manchmal konnte die Schnepfe etwas Distanz gewinnen…
dsc_1511
aber der Habicht holte sie immer wieder ein
dsc_1507
Das Ende der Jagd habe ich nicht mitbekommen, weil die beiden Vögel hinter einer Fichtengruppe verschwanden, aber ich glaube, dass der Habicht seine Chance, im wahrsten Sinn des Wortes, ergriffen hatte: Alltag in der Vogelwelt.
Ungewöhnlich war nur, dass diesmal eine Waldschnepfe und nicht eine Taube oder ein Kleinvogel das Opfer war.

Großes Erwachen

Kurz nach Sonnenaufgang erreiche ich das große Teichgebiet und…
DSC_1066.jpg
sehe im ersten Morgenlicht einen Grau- und einen Silberreiher am Grund eines abgelassenen Teichs.
DSC_1099.jpg
Von Weitem höre ich schon die bekannten und immer wieder aufregenden Rufe…

und bald sehe ich auch woher sie kommen:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Mehr als hundert Singschwäne und ungefähr zwanzig Zwergschwäne haben im Schutz des Wassers die Nacht verbracht und machen Stimmung für den täglichen Abflug.
Bald fliegen die ersten Trupps unter lautem Rufen und mit patschenden Geräuschen auf:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Sie erheben sich ins Morgenlicht..

Diese Diashow benötigt JavaScript.

und fliegen auf die umliegenden Felder um dort Nahrung zu suchen:
dsc_1149
Im Teichgebiet gehen plötzlich die dort gebliebenen Stockenten hoch:
DSC_1268.jpg
Ich ahne schon warum, schaue nach oben und richtig, ein hungriger junger Seeadler hat sie aufgescheucht:
DSC_1264.jpg
Auch die Gänsesäger ergreifen die Flucht:
DSC_1273.jpg
Eine Heckenbraunelle hat im dichten Gestrüpp nichts zu befürchten…
DSC_1280.jpg
und wird wahrscheinlich im Gebiet überwintern.

 

 

Singschwan, Zwergschwan oder was?

Als ich vor ein paar Tagen morgens zum großen Teichgebiet gefahren bin, hab ich weit entfernt viele Vögel kreisen und niedergehen sehen und dachte, da fahr ich auf dem Rückweg mal hin.
Hab ich auch gemacht und dies gesehen:
DSC_0811.jpgAls ich mir die Szene mit dem Fernglas genauer anschaute konnte ich die Singschwäne an ihren gelb-schwarzen Schnäbeln erkennen:DSC_0824.jpgDurchs Spektiv war die Sache noch eindeutiger: Gelb-schwarze Schnäbel, das Gelb reichte bis etwas unter das Nasenloch.
Aber ich habe auf diesem Foto etwas übersehen, siehe weiter unten!

DSC_0815.jpg
Auch Jungschwäne 1.KJ (erstes Kalenderjahr) waren dabei, mit fast weißem Schnabel, das Gefieder etwas grau-bräunlich getönt hier, auf einem Auschnitt des zweiten Fotos, in der Mitte zu erkennen:
DSC_0824.jpg
Dann kam mir aber eine Gruppe am Rand des Gesamttrupps etwas merkwürdig vor, die Vögel blieben etwas abseits und waren auch etwas zarter und auch als die anderen:
DSC_0854.jpg
Auf diesem Foto, nicht ganz scharf durch die weite Entfernung und die Luftunruhe, kann man es nur schwierig erkennen: Die Schnäbel weisen einen größeren Schwarzanteil auf und das Gelb geht nicht bis unter das Nasenloch. Außerdem sind die Vögel etwas kleiner und zierlicher als die Singschwäne: Es sind Zwergschwäne!

Auf dem dritten Foto von oben wird übrigens klar, dass ich den Zwergschwan ganz links übersehen hatte!

Also hab ich in meinem Online Portal Ornitho.de 105 Singschwäne und 14 Zwergschwäne gemeldet und war ganz stolz, dass ich erstmals Zwergschwäne selbst entdeckt und bestimmt hatte.

Ein paar Tage später bin ich in einem landwirtschaftlich geprägten Gebiet weiter östlich umher gefahren, von dem ich wusste, dass dort Singschwäne im Winter rasten und habe bald einen kleinen Trupp entdeckt, den ich aus dem Auto vom Straßenrand aus beobachten und fotografieren konnte:
DSC_0919.jpg
Singschwäne sind für mich der Inbegriff friedlichen Zusammenlebens in größeren Gruppen. Man kann sie aus einer für sie angenehmen Distanz gut beobachten und sie verhalten sich dann sehr entspannt. Besonders wenn sie sich nieder lassen weil sie genug gefressen haben nehmen sie rufend miteinander Kontakt auf…

und ruhen mit dem Kopf unterm Flügel oder pflegen ihr Gefieder. Für mich  war klar, dass ich es hier mit einer harmonisch zusammen lebenden Großfamilie Singschwäne zu tun habe…
Im Hintergrund hab ich dann noch einen rastenden Trupp aus 175 Kranichen entdeckt, auch sehr erfreulich…
DSC_0922.jpg
Als ich die 12 Vögel bei Ornitho.de als 9 Singschwäne mit 3 Jungvögeln gemeldet hatte bekam ich eine Mail vom Koordinator meiner Region. Koordinatoren sind bei Ornitho.de erfahrene Beobachter, die sich die Meldungen etwas genauer anschauen und nachhaken, wenn ihnen etwas als nicht plausibel oder richtig erscheint. Seine Kommentar: Guck doch mal, ob der 5. Schwan von links und der dritte Schwan von rechts nicht Zwergschwäne sind. Hab ich brav gemacht, die Fotos noch mal durchgeschaut und richtig, auf einem Foto standen sogar 3 Zwergschwäne zusammen:
DSC_0910.jpg
War mir etwas peinlich, dass mir da meine Heile-Familie-Projektion nen Streich gespielt und mich davon abgehalten hat, mir die Vögel genauer anzuschauen. Ich glaub nicht, dass mir das wieder passiert. Mal sehn ;-)
Wieder ein paar Tage später war ich im großen Teichgebiet, leider etwas spät, weil ich auf besseres Licht gewartet hatte.
Deshalb flog ein Teil der Singschwäne, die dort gerastet haben schon laut rufend ab, um tagsüber auf den Feldern Nahrung zu suchen:
DSC_0981.jpg
Wenig später flog auch ein Trupp Zwergschwäne über mich hinweg und ich hab ihren etwas anderen Ruf gehört, sie aber erst auf dem Foto sicher bestimmen können. Leider ist dieses Foto hier nicht groß genug darstellbar, um die Schnabelzeichnung zu erkennen:
DSC_0973.jpg
Am entfernten Teichrand konnte ich dann doch noch zusammen rastende Sing- und Zwergschwäne erkennen und zu einigermaßen plausiblen Zahlen kommen: Es waren mindestens 125 Sing- und 24 Zwergschwäne…
DSC_0970.jpg
und es sieht so aus als ob in diesem Jahr besonders viele Zwergschwäne vor der Kälte in ihren Brutgebieten in Skandinavien und den baltischen Staaten hierher, in unsre Region flüchten.

Überraschender Auftritt

Als ich zum großen Teichgebiet aufbreche erwartet mich eine von Raureif überpuderte Landschaft.
p1200436Im Teichgebiet sind fast alle Wasserflächen zugefroren.
_1200386.jpgEs gibt nur einen Silberreiher, der gemächlich über den Teich fliegt…
DSC_0544.jpgund einen einsamen Kormoran.
DSC_0677.jpgAuf dem teilweise abgelassenen Teich gibt es noch einige Stellen, an denen sich die Vögel drängen:
DSC_0637.jpgDort entdecke ich einen einfliegenden Zwergsäger, einen regelmäßigen,  aber seltenen Wintergast:
DSC_0638.jpgAn den trocken gefallenen, überfrorenen Teilen des Sees sehe ich eine Bekassine,
DSC_9812.jpgeinen Waldwasserläufer…
DSC_9850.jpgund einige Bergpieper:
DSC_9852.jpgBergpieper sind eine der wenigen Vogelarten, die aus ihren Brutgebieten in den Höhenlagen der Alpen im Winter nach Norden ziehen. Dort suchen sie in einem völlig andern Biotop auf feuchten Flächen Nahrung:
DSC_9910.jpgAber heute bin ich nicht deswegen gekommen:
Ein Beobachter hat mir von zwei Vögeln erzählt, die er am Schilfrand entdeckt hat. Diese Art habe ich im Teichgebiet noch nie gesehen, sondern nur ein Mal vor vielen Jahren rufen gehört.
Deshalb suche ich sorgfältig die Schilfränder ab.
_1200387.jpgAber ich entdecke dort nur einen kleinen Vogel am Wasserrand.
DSC_0730.jpgDurchs Spektiv kann ich ihn als männliche Rohrammer bestimmen.
DSC_0733.jpg
Den Eisvogel, der überm Schilf einfliegt, erkenne  ich von weitem mit bloßem Auge an seinem metallisch blau aufblitzenden Gefieder und seinem orangefarbenen Bauch:
DSC_0737.jpgAber  ich habe ihn im Ufergestrüpp auch schon viel näher gesehen, wenn er an eisfreien Stellen ansaß, um nach Fischen zu tauchen:
DSC_9807.jpgKurz vor Sonnenuntergang schwimmt noch ein Gänsesäger am Schilfrand entlang und ich habe schon die Hoffnung aufgegeben, einen der ersehnten Vögel zu sehen, DSC_9779.jpgbis mein Mitbeobachter, der an einer weiter entfernten Stelle mit besserem Einblick steht, mich zu sich ruft und mir ein hell aufleuchtendes Objekt im Schilf zeigt und zum erstem Mal im Leben sehe ich eine Rohrdommel und die steht nicht wie meist gut getarnt zwischen den  Schilfhalmen, nein, sie steht im besten Licht, vom Spot der untergehenden Sonne angestrahlt, frei vorm Schilf.
DSC_0740.jpgDiese Bobachtung, zusammen mit dem Foto von einem etwas näheren Standpunkt aus…
DSC_0745.jpghat mich sehr glücklich und zufrieden gemacht.

Schönheit fliegt…

„Schönheit ist im Auge des Betrachters“ heißt es etwas platt im Sprichwort. Da ist was dran, aber mir fehlen dabei Hinweise auf das denkende Hirn und die Gefühlswelt, in denen und durch die sich Wahrnehmung abspielt:

Schönheit ist das was wir als schön wahrnehmen und erleben

Das ist meine (natürlich ebenfalls unscharfe) Definition, aber der Begriff von Schönheit ist immer durch individuell-gesellschaftliche Prägung bestimmt und somit nicht universell.
Für mich gibt es, besonders in der Kunst, primär 2 Arten von Schönheit: Die des Morbiden und Bedrohlichen, die immer mit Angst und Tod zu tun hat und die des Lebendigen, Hoffnungsvollen und Zukunftweisenden, letztlich untrennbar aneinander gekoppelt, wie auch das Beispiel der Vogelwelt zeigt:
Sprechen wir von der Schönheit der Vögeln, sollten wir uns darüber klar sein, dass diese das Produkt evolutionärer Kraft ist, dass sie dem unfassbaren Strom des Lebens entstammt. Sie ist zweckgerichtet, weil durch weibliche Zuchtwahl geprägt: In dem was wir als Schönheit, auch im Gesang, wahrnehmen erkennen weibliche Vögel Elemente von Kraft, Mobilität und Gesundheit. Indem sie die ihnen fittesten, am besten balzenden und singenden Männchen, und so deren genetische Ausstattung auswählen, tragen sie dazu bei, die positiven und attraktiven Elemente des Gefieders, der Beweglichkeit und des Gesangs in der nächste Generationen zu verändern und zu verstärken.
Ein weiterer Aspekt:
Für mich ist Schönheit, besonders draußen, in dem Bereich, den wir Natur nennen und der doch meist menschlich-kulturell geprägt ist, immer vom Licht bestimmt, von den Stimmungen der Tages- und Jahreszeiten und damit von diesem Himmelskörper, einer von Milliarden von Sonnen in unsrer Galaxie:
DSC_5859.jpg Weiterlesen

Schwanengesang…

Ja, es gibt sie wirklich, die singenden Schwäne, die Singschwäne. Sie kommen in jedem Spätherbst hierher und fliegen im Frühjahr wieder in ihre Brutgebiete zurück. Sie ziehen meist aus den baltischen Ländern zu uns…
DSC_7778.jpgund man erkennt sie an ihren melodischen Rufen, besonders wenn sie von Gewässern auffliegen oder dort nieder gehen:

Weiterlesen

Schwanensee oder so…

Schwäne sieht man häufig und sie haben sich als leicht verstaubtes Inventar in unserem kollektiven Gedächtnis eingenistet…
_1190094.jpg
Weil ich meins grade verlegt hab könnt ihr hier mal nachschauen .
Was mir einfältig einfällt wenn ich an meine Beobachtungen von Schwänen denke sind positive Schlagworte wie „weiß, kraftvoll, ruhig, elegant“, aber es drängen sich auch ganz andere auf, darauf komm ich gleich zurück…
Mit Leichtigkeit kann man die Darstellung von Schwänen verkitschen, dann schießt es etwas über die obigen Assoziationen hinaus: Es kommen eigene Sehnsüchte ins Spiel und die inneren Bilder des Vogels werden von diesen überlagert. (Auch Kraniche eignen sich dafür sehr gut und ich bin oft genug etwas irritiert wenn Leute z.B. auf nen Beobachtungsturm wollen und fragen: Sind Kraniche da?  Wenn das verneint wird war’s das erst mal mit der Vogelwelt und ich glaub, sie sind froh, wenn sie gleich, puhh, zum Kaffetrinken können…) Weiterlesen