Bienenfresser auf die harte Tour…

So weit fahr ich ja äußerst selten, aber ich hatte vor längerer Zeit von nem Orni-Kollegen nen Tipp bekommen, wo man Bienenfresser finden kann. Diese Vögel sind erst in der letzten Zeit etwas weiter nach Norden gekommen um zu brüten und sind wahre Schönheiten, im besten Sinn Exoten, und ich hatt noch nie einen gesehen.
Mein Ziel war gut 2 Stunden Fahrzeit entfernt und ich finds einfach stinklangweilig, in ner Blechkiste zu sitzen und am Rad zu drehen nur damit das graue Straßenband unter einem durchflutscht und man von A nach B kommt. Und wenn du dann nach 200km statt vor der erhofften Idylle vor dem Gitterzaun einer Bauschutt-Deponie stehst, in die immer wieder Schwerlasttransporter reindröhnen um ihren Schutt unter Staubwolken abzukippen trägt das nicht gerade zur erhofften Entspannung bei…
In einem gelben Container gleich hinterm Tor saß ein Deponiewärter vor seinem Handy und zockte vor sich hin.
„Hier gönnse nisch rein“ sagte er ohne hochzugucken. Also ehrlich, da hab ich schon ein bisschen Panik gekriegt und hab ihn so freundlich das eben ging bekniet: Ich sei doch soooo lang gefahren wegen dieser wunderbaren Vögel, die er ja glücklicherweise jeden Tag sehen kann…
„Do kümmer isch misch eingtlisch gor nisch drum!“
Kurz und gut, um mich loszuwerden gab er mir die Telefonnummer seiner Bauschuttverfüllungsfirma und nachdem ich seinen Chef angerufen und meine persönlichen Daten schriftlich hinterlegt hatte hatte konnt ich doch rein.
Nach meinen Informationen von Google-Maps handelte es sich um ein begrüntes Gebiet, wohl eine ehemalige, dankbar sich selbst überlassene Kiesgrube. Was mich aber erwartete war dies:_1190864Also bin ich über den Schutt gestolpert, immer schön Hans-Guck-in-die Luft mit meiner ganzen Ausrüstung um, Kamera mit langem Tele vorn am Gürtel, noch ne Kamera für Landschaftsaufnahmen (die in diesem Fall weniger gefragt war) und auf dem Rücken mein Spektiv. Meine Stimmung hat sich etwas aufgehellt als ich die ersten Bienenfresser gesehen hab, auf ner Stromleitung und ziemlich weit weg, aber nicht  grade das was ich mir vorgestellt hatte:

  • Es ist besser sich nichts vorzustellen wenn man in ein Beobachtungsgebiet kommt, denn…
  • Es ist IMMER anders als man es sich vorgestellt hat

dsc_6510Und jetzt der Knaller im wahrsten Wortsinn: Nach ungefähr ner halben Stunde bin ich mit dem Fuß an einem der überall herumliegenden Betonbrocken hängen geblieben und längs hingeschlagen, voll auf die Fresse, treffender kann ichs leider nicht ausdrücken. Ich hab mich hochgerappelt, gedacht: „So das wars dann…“, besonders nachdem ich gemerkt hab, dass meine Kamera nicht mehr funktionierte und an meinem Spektiv die festgeschraubte Sonnenblende rausgerissen war..
Und dann hab ich erst gespürt, dass mir Blut übers Gesicht lief. Ich bin also zum einzig verfügbaren Menschen gewankt, dem muffligen Deponiewärter. Der hat mich schon etwas sonderbar angeguckt, mit so ner fatalen Mischung aus Ekel und Mitleid im Gesicht. Aber wir sind uns in der Not näher gekommen, wie das bei Menschen so geht, er hat mirs Gesicht abgetupft und die Platzwunde an der Stirn abgeklebt, ich hab gemerkt dass in meiner leicht verschrammten Kamera nur die Speicherkarte rausgeruckelt war, hab sie wieder reingeruckelt und weiter Bienenfresser gesucht.
So hab ich einen in einem entfernten Strauchwerk entdeckt:
dsc_6429Als ich mich weiter umgeschaut hab, hab ich an einem Abbruch des Randes der Deponie einige Brutröhren der Bienenfresser gefunden…
_1190868und hab auch einen in eine Höhle rein huschen gesehen um seine Jungen zu füttern.
dsc_6537
Ja, von da an wurde es dann ganz schön: Die Vögel flogen andauernd von ihren Höhlen auf und über mich hinweg und das in einer Geschwindigkeit, die es mir nicht gerade einfach machte, sie mit der notwendig langen Brennweite zu verfolgen. Wenn sie weiter weg waren gings ganz gut:
dsc_6588Aber mit der Zeit hab ich direkt über mich fliegende Vögel ganz gut erwischt:
dsc_6468Und sogar einen so, dass die schöne, so verrückt bunte Oberseite zu sehen ist, ein echtes Geduldsspiel  sag ich euch!
dsc_6366Ganz zum Schluss, als ich schon gehen wollte hab ich einen relativ nah und vor seiner Bruthöhle gesehen, der sich nicht von mir hat stören lassen…
dsc_6644Dann hab ich noch nen Beobachungs-Rundgang durch das ganze Gebiet gemacht, um auch die anderen Arten zu erfassen, dabei ne kümmerliche Ausgleichsfläche entdeckt mit großen Haufen aus lockerem Sand, in den die Bienenfresser nach amtlicher Vorstellung ihre Höhle graben sollten… Die Vögel wissen es besser…
Ich hab mich noch freundlich vom meinem Erstversorger verabschiedet, bin ganz zufrieden nach Hause gefahren, hab meine Platzwunde richtig versorgt und trage seither zur Erinnerung ne Narbe an der Stirn…
Ironischer Schlenker: Wenig später war ich ein einem Biotop, das nicht so weit entfernt ist und unschuldig flötend zog ein Trupp Bienenfresser über mich weg. Habs ihnen nicht übel genommen…
Aber nen weniger ironischen Aspekt hat die Geschichte doch noch: Später hab ich erfahren, dass es gegen die Umwidmung dieses wertvollen, bereits von Bienenfresser besiedelt gewesenen Biotops heftige Proteste gab bis zur Blockade des Eingangs: Vergebens!

 

 

2 Gedanken zu „Bienenfresser auf die harte Tour…

  1. Hallo Mano, ich habe mit Interesse und Schmunzeln deinen Block gelesen. Diese hübschen Vögel sind ja noch hübscher als der Eisvogel, den ich manchmal von unseren Fenster aus beobachten kann. Ich bin beeindruckt von deinem Durchhaltevermögen, wenn du auf Vogelsuche gehst.

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  2. Ich empfinde es so: Das Durchhaltevermögen wird eigentlich kaum beansprucht, wenn man in einem Biotop ist! Die Zeit vergeht scheinbar viel schneller als sonst und es ist meist keine offensive Suche sondern mehr ein offenes und ruhiges Auf-sich-zu-kommen-lassen.

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